G – Judo

 

Der SC Budokan Bocholt bietet erstmals unter der Leitung von Jürgen Hatzky 6. Dan Judo/Judolehrer und Ralf Weidmann Trainerlizenz B für Behinderte, mit dem Schwerpunkt G – Judo (Judo für geistig und körperlich behinderte Menschen) einen Judo-Kurs für geistig behinderte Menschen an.

Weitere Infos in der Geschäftsstelle des  SC Budokan Bocholt Tel.02871-6337

Bitte lesen Sie hierzu auch den Bericht, den das BBV im April veröffentlichte.

 

Wenn Elefant Erwin hilft VON BJÖRN BRINKMANN.

Ralf Weidmann möchte im Sport-Center Hatzky eine Judo-Gruppe für behinderte Menschen integrieren. Gestern lud er zum ersten Schnupperkurs ein. Den Kindern und Jugendlichen gefiel es sichtlich.

BOCHOLT Langsam führt Marvin den kleinen Igelball über Petras Arme. Von dort lässt er ihn über den Rücken und die Beine bis hin zu den Füßen wandern. Da ist dann aber plötzlich Schluss. „Das kitzelt“, protestiert Petra und beginnt gemeinsam mit Marvin zu lachen. Da kann sich auch Trainer Ralf Weidmann einen Kommentar nicht verkneifen: „Marvin – massieren, nicht schmusen“, sagt er – und freut sich insgeheim, dass die Kinder und Jugendlichen auf der Judomatte des Sport-Centers Hatzky so viel Spaß haben. Denn dort will Weidmann künftig eine Gruppe im G-Judo trainieren. Diese Sportart betreiben geistig behinderte Menschen. Gestern lud Weidmann zum ersten Probetraining ein.

Vom Betreuer zum Trainer

„Zum G-Judo bin ich durch meinen Sohn Marc gekommen, der wahrnehmungsgestört ist“, erklärt Weidmann. Auf der Suche nach einer Sportart für seinen Sprössling landete Weidmann vor acht Jahren beim Sport-Center Hatzky. Eineinhalb Jahre lang war zunächst kaum ein Fortschritt bei Marc zu erkennen. Daher suchte der Vater den Kontakt zu Dr. Wolfgang Janko, den Judo-Beauftragten des Behinderten-Sportverbandes Nordrhein-Westfalen. „Der hat mir Tipps gegeben, wie Übungen durch ständiges Wiederholen gefestigt werden können.“ Das zeigte Erfolg. Bereits beim ersten Turnier in Gladbeck stand Marc auf dem Siegertreppchen. Beim zweiten in Kleve wurde er gleich vom Landestrainer Walter Gülden entdeckt und zur Sichtung zum Kadertraining nach Leverkusen eingeladen. Zu den späteren Turnieren musste Ralf Weidmann immer mitfahren, weil außer ihm niemand die Gebärdensprache konnte. „Anfangs war ich nur als Betreuer für meinen Sohn zuständig, später für den gesamten Kader“, so Weidmann.

Doch das alleine reichte ihm irgendwann nicht mehr. Deshalb legte er im Herbst 2008 die Trainer-C-Lizenz und im Jahr 2009 die Trainer B- Lizenz im Rehabilitationssport für geistige Behinderungen mit dem Schwerpunkt Judo in Hennef ab. Mit ihr ist er nun berechtigt, Trainingsstunden zu leiten. Und da ist Bocholt der richtige Ort. Denn ringsherum gibt es für behinderte Menschen keine Möglichkeit, Judo zu betreiben. Die nächsten Trainingsmöglichkeiten sind in Dülmen und Kleve. „Dabei ist Judo eine sehr gute Sportart für Behinderte. Sie vermittelt Körpergefühl, Vertrauen, Ehrgeiz und Respekt“, sagt Weidmann.

Als er sich an die Lebenshilfe Bocholt wendete, um ihr von seinen Plänen zu unterrichten, rannte er offene Türen ein. Denn ansonsten sei das Angebot für Behindertensport in Bocholt fast vollständig auf Fußball reduziert.

Freier Fall auf Weichbodenmatte

Wie angewurzelt stehen bleiben

Mit Christoph, Daniel, Petra, Toni, Marvin, Andrea und noch einmal Petra sowie Marc haben sich gestern auch gleich acht Kinder und Jugendliche auf der Judomatte versammelt. Ralf Weidmann nimmt ihnen erst einmal ihre Ängste, indem er sie auffordert, ihre Namen ihrer Gemütslage zuzuordnen. Von froh bis traurig reicht die Kategorie. Dann geht es auch schon los. Das Aufwärmen wird in einem „Einfrierlauf“ eingepackt. Alle flitzen über die Matten, ehe sie auf Kommando wie angewurzelt stehen bleiben. Ersten Körperkontakt gibt es bei einem weiteren Spiel, bei dem sich die Kinder im Laufen einhaken oder auf die Schulter klopfen müssen. Die Koordination steht an oberster Stelle beim Luftballonspiel. Denn der Ballon darf nur zu zweit und mit dem Kopf bewegt werden. Eine erste kleine Kampferfahrung machen die Kinder, als sie als getrenntes Liebespaar aufeinander zulaufen sollen. Das Problem: Die anderen Kinder wollen das mit einer Menschenkette verhindern.

Große Begeisterung löst anschließend das Schildkrötenspiel aus. Dabei fungiert eine Person auf allen Vieren als Schildkröte, die herumgedreht werden soll, um sich in eine „wunderschöne Prinzessin“ zu verwandeln. Weidmann verpackt die Aufgabenstellung in eine Geschichte. Da hilf ihm zum Beispiel Erwin, der Elefant, beim Schieben, und Kalle, der Krebs, beim richtigen Zupacken.

  

Nur lachende Gesichter

Wenig später kommt dann der Igelball ins Spiel, damit die Kinder sich vor dem Ende der Trainingsstunde wieder beruhigen. „Wie ist jetzt eure Gemütslage“, will Weidmann wissen. Und alle kleben ihren Namen unter das lachende Gesicht. Marvin fällt dem Trainer gar um den Hals und sagt laut „danke“. Toni will auf jeden Fall wiederkommen. Und auch die Eltern, die zugeschaut haben, sind zufrieden.

„Mein Ziel ist es, eine Gruppe auf die Beine zu stellen, die irgendwann den gelb-weißen Gürtel ablegt und an Turnieren teilnimmt“, sagt Weidmann. Dass es bis dahin ein weiter Weg ist, weiß er. Übungen, die heute zum Beispiel für das richtige Fallen gelehrt werden, sind morgen wahrscheinlich schon wieder vergessen und können nur ganz langsam verfestigt werden. „Doch die nötige Geduld bringe ich mit. Schließlich ist es auch schön zu sehen, wenn die Kinder einfach nur Spaß haben“, so Weidmann.       

Das Maskotschen "Susi Jime""Susi Jime"

Richtig viel Spaß hatte Daniel (oben links), nachdem er „Schildkröte“ Toni auf den Rücken gedreht hatte. Trainerin Gaby Hörning stand dabei motivierend zur Seite. FOTO oben links: BETZ